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Haben oder Sein

November 23, 2007

Sie kennen vielleicht die Geschichte von dem sardischen Fischer, der auf der Reling seines Schiffes saß und sein Netz nach dem morgendlichen Fischfang wieder für den nächten Tag richtete. Er prüfte es, flicke einige Maschen und legte es sorgfältig zusammen. Gerade schlug die Kirchturmuhr neun mal, als ein Tourist vorbeischlenderte, stehen blieb und ihn fragte, ob er gleich wieder raus auf das Meer zum zweiten Fischfang fahre. “Nein”, antwortete der Fischer, “erst morgen früh vor Sonnenaufgang werde ich mein Glück wieder suchen”. ” und was machen Sie dann heute den ganzen Tag?”, wollte der neugierige Tourist wissen. “Heute? Das wei ich noch nicht. Jetzt frühstücke ich erst einmal und dann sehe ich zu, was der Tag so bringt.” Der Tourist setzte sich zu Ihm und begann zu philosophieren: “Stellen Sie sich mal vor, wenn Sie jetzt noch mal raus fahren, dann könnten Sie einen weiteren Fang noch vor dem Mittag einholen und vielleicht schaffen Sie noch einen weiteren am Nachmittag…”. “Und dann?”, fage der Fischer. “Ja stellen Sie sich mal vor! Sie können Ihre Fixkosten des Bootes dreimal am Tag umschlagen, das brächte Ihnen deutlich mehr Ergebnis.” “Und dann?”, unterbrach der Fischer erneut. “Ja, Sie hätten mehr in der Kasse, könnten ein weiteres Boot kaufen, einige Leute einstellen, die für sie arbeiten, irgendwann hätten Sie eine ganze Fischereiflotte…”. Obwohl der Tourist immer schneller sprach, blieb der Fischer ruhig und frage erneut: “Ja und dann?” Was und dann? Na dann könnten Sie sich irgenwann zurücklehnen und den lieben langen Tag machen, was Sie wollen.” Da lächelte der Fischer sein ganzes Glück aus seinen sonnengegerbten Falten heraus und meinte ganz trocken: “Aber das mach´ich doch heute schon!”

Dieser Fischer ist ein Mensch, der das tut, was getan werden muss, um danach das tun zu können, was er tun will.

 Die Menschen auf der Welt, vorallem in den Westlichen Ländern versteifen sich viel zu viel auf Profit, Geld, Karriere und viele andere Dinge, die einem im Alltag über den Weg laufen. Doch sie vergessen, dass alles was Sie sich anschaffen, und sei es nur ein neuer DVD-Player, einen Teil von deren Aufmerksamkeit beansprucht. Besitz kommt von besitzen und alles, was wir besitzen, besetzt einen Teil der Person und deren Persönlichkeit. Und ehe Sie sich versehen, sind sie Sklave der Dinge, die einen umgeben.

Weniger ist oft mehr! - So ist nun mal das Leben, denn der wirtschaftliche Kreislauf ist nun mal ein Wertekreislauf. Dort, wo sich jemand einen Vorteil verspricht, findet sich seine Aufmerksamkeit wieder. Wo ein höherer Wert zu einem interessanten Preis eingekauft werden kann, dorthin fließt auch das Geld. Und je mehr wir alle miteinander in userer Glitzer und Glamour-Welt den Schien herauspolieren (müssen), statt das Sein als Wert zu erkennen, solange werden wir immer jung und dynamisch wirken, immer topmodisch immer technisch up-to-date sein müssen. Gut ist, wer schneller höher und und weiter kommt als andere. Solange wir uns diesem klassischen Kreislauf nicht entziehen können, solange werden wir auf der Welle mitschwimmen. Wir werden ein Spiel mitspielen müssen, das oft nicht das unsere ist.

Wenn wir unser TUN aus unserem SEIN heraus entwickeln, leben wir freier, harmonischer in uns und sind wesentlich stabiler.

Was nutzt anderen Ihre Habe? Angenommen, Sie haben ein tolles Haus, eine gute Position, eine tolle Frau und viel Geld. Wenn nun andere Ihre nähe suchen, dann wollen Sie etwas von Ihrem Haben abbekommen. Ihr Habe ist Ihnen zugewachsen. Ihr Sein allerdings ist in Ihnen und mit Ihnen gewachsen. Wenn sie einmal alles verlieren sollten, was sie haben, dann werden Sie immer noch das haben, was sie sind.

Wir dürfen andere nicht nach ihrem Besitz, nach ihrer Fassade beurteilen, sonder nach dem was in ihnen steckt, wie sie denken und handeln, nach welchen Werten sie leben und was wir von ihnen für unser Wohlergehen erfahren. Dies ergibt persönliche Wertschätzung, egal was andere besitzen und haben.